Bd. I · Heft 03 · Mai 2026
Über das Magazin

Hinterhof — jüdisches Berlin als kulturhistorisches Feld.

Hinterhof ist ein monatlich erscheinendes deutschsprachiges Kulturmagazin zu jüdischem Berlin und seiner Architektur. Wir schreiben über die wilhelminischen Sakralbauten zwischen Oranienburger Straße und Rykestraße, über die kulturellen Blütejahre 1900–1933 mit ihren Verlagen, Salons und Theatern, über die topographische Ordnung jüdischen Lebens in der Stadt, über Denkmalpflege und Restaurations-Praxis, und über die vergleichende Perspektive auf die mitteleuropäischen Schwester-Gemeinden in Wien, Prag, Budapest und Lemberg.

Hinterhof ist explizit kein Gemeindeorgan und keine Verlautbarungsplattform. Das Magazin steht in keiner institutionellen, organisatorischen oder personellen Verbindung zur Synagoge in der Rykestraße oder zu irgendeiner anderen Berliner Gemeinde. Wir publizieren keine Gottesdienstzeiten, keine Feiertagskalender, keine Aufrufe zu Spenden, Mitgliedschaft oder Besuch. Die in unseren Artikeln behandelten Sakralbauten erscheinen ausschließlich als architekturhistorische und kulturhistorische Gegenstände.

Der Takt ist monatlich. Sechs Ressorts — Architektur, Geschichte, Stadt, Kultur, Restauration, Diaspora — bilden das Gerüst, in dem wir kontinuierlich publizieren. Nicht jedes Heft füllt alle sechs Felder gleich; manchmal verdichten sich drei Texte um einen Restaurierungs-Befund, manchmal hängt eine ganze Ausgabe an einem Verlagsporträt. Die aktuelle Mai-2026-Ausgabe hat ihren Schwerpunkt in der Architektur Johann Hoenigers und in einer vergleichenden Lese der wilhelminischen Synagogen-Typologie zwischen Köln, Hannover und Berlin.

Der Name Hinterhof ist Berlin-spezifisches städtebauliches Vokabular. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurden viele jüdische Sakralbauten in Deutschland nicht an die Hauptstraße gesetzt, sondern in den Innenhof von Vorderhaus-Ensembles — eine Sichtbarkeits-Politik, deren Begründungen zwischen Bauordnungs-Pragmatik und vorsichtigem Selbstverständnis lagen. Die Rykestraßen-Synagoge selbst (Johann Hoeniger, 1903–1904) ist ein Lehrstück dieser Bautypologie: eine 1.200-Plätze-Halle, die hinter einem Vorderhaus mit Rabbinerwohnung und Sakristei zurücktritt und nur durch ein bescheidenes Tor zugänglich ist. Architekturhistorisch ist der Hinterhof-Bau keine Verstecktheits-Geste, sondern eine bauliche Sprache mit eigenen kompositorischen Mitteln. Wir nehmen den Begriff als programmatische Selbstverortung.

Was uns inhaltlich interessiert, ist die Spannung zwischen den großen kulturhistorischen Erzählungen und der konkreten architektur-, archiv- und materialhistorischen Detail-Arbeit. Berlin-jüdische Geschichte wird leicht zur Pflichtübung der Erinnerungsrhetorik. Wir versuchen, sie als das zu behandeln, was sie tatsächlich ist: eine Quellenarbeit, die sich an Adressbüchern, Centrum-Judaicum-Beständen, Brandschutz-Akten der Berliner Feuerwehr, Bauantragen der jeweiligen Baubehörden und an dem überprüfen lässt, was an Mauerwerk, Stuck und Mosaik im Bestand noch lesbar ist. Architekturgeschichte als Werkzeug zur historischen Aufklärung, nicht als Andachts-Übung.

Geschrieben ist Hinterhof für Architekturhistoriker:innen mit Sakralbau-Schwerpunkt, für Judaistik-Studierende und Forschende, für Denkmalpfleger:innen und Restaurator:innen, für Stadthistoriker:innen mit Berlin-Fokus, für Kulturredaktionen mit überregionalem Interesse an jüdischer Kulturgeschichte und für ein allgemeines Bildungspublikum mit dem Wunsch nach gründlicher Tiefe statt Gedenktags-Boulevard. Wir setzen Lesefreude an Architektur- und Geschichts-Terminologie voraus, aber kein Studium der Judaistik; eine Habilitation wird hier wenig grundsätzlich Neues finden, eine kulturhistorisch interessierte Lokalredakteurin vielleicht schon.

Gastbeiträge

Hinterhof nimmt Gastbeiträge an. Wer einen Text geschrieben hat — Architektur-Recherche, Stadtgeschichts-Stück, Buchrezension, Konferenzbericht, Restaurations-Erfahrungsbericht — und ihn bei uns sehen möchte, schickt eine Schreibprobe an [email protected]. Wir antworten in der Regel innerhalb einer Woche und honorieren angenommene Beiträge nach festen Sätzen. Kürze ist kein Nachteil, eine sauber zitierte Bauakte sagt mehr als drei Absätze Allgemeinurteil.

Erinnerungskultur ist für uns kein Stilmittel. Sie ist die mühsame Übung, am Dienstagnachmittag ein Stuck-Ornament-Fragment zu datieren und am Donnerstag den Brandschutz-Akten-Bestand der Berliner Feuerwehr von 1938 durchzuarbeiten.