Ressorts.
Sechs Felder, in denen wir kontinuierlich publizieren — von der Backstein-Fassade bis zum Lemberger Vergleich.
- 01
Architektur
Das Ressort, in dem wir die jüdischen Sakralbauten Berlins als architekturhistorische Gegenstände behandeln. Eduard Knoblauchs Neue Synagoge in der Oranienburger Straße (1859–1866), Cremer & Wolffensteins Synagoge Lützowstraße (1898), Johann Hoenigers Rykestraßen-Synagoge (1903–1904), Erich Mendelsohns nie verwirklichte Reform-Synagoge in der Prinzregentenstraße — wir lesen Grundrisse, vergleichen Stil-Anleihen vom Maurischen über das Byzantinische bis zur Wilhelminischen Backstein-Schule, und behandeln die typologische Frage der Hinterhof- versus Straßenfront-Lage als ein Politikum sui generis. Architektur als Quelle, nicht als Dekoration.
→ - 02
Geschichte
Das Ressort für die Stadtgeschichte des jüdischen Berlins zwischen Wilhelminismus und Gegenwart. Die Reform-Bewegung des 19. Jahrhunderts und ihre baulichen Manifestationen, die kulturellen Blütejahre 1900–1933 mit Verlagen, Salons und Theatern, die Pogromnacht 1938 als urbane Zäsur, die Vernichtung der Gemeinden, die DDR-Zeit zwischen Marginalisierung und schmaler Kontinuität, die Nachwendezeit mit ihrer komplexen Wiedereröffnung. Wir behandeln Geschichte als das, was sie ist: eine Quellenarbeit, die sich an Berlin-Adressbüchern, Centrum-Judaicum-Beständen und der Bundesarchiv-Akten-Überlieferung überprüfen lässt.
→ - 03
Stadt
Das Ressort für die räumliche Dimension. Wir zeichnen die jüdische Topographie Berlins — die Spandauer Vorstadt um die Oranienburger Straße, das Bayerische Viertel in Schöneberg, die Industriellen-Quartiere am Tiergarten — und behandeln die Erinnerungs-Orte mit derselben Genauigkeit wie die Lebens-Orte. Der Friedhof Schönhauser Allee, der Friedhof Weißensee als größter jüdischer Friedhof Europas, die ehemaligen Stiftungs- und Schulgebäude, die Kaufhäuser Wertheim und Israel. Was steht noch, was ist Lücke, was ist Tafel, was ist erinnerungslos rekonstruiert.
→ - 04
Kultur
Das Ressort für die Kulturgeschichte der Vorkriegsjahre und ihrer Nachwirkungen. Schocken-Verlag und S. Fischer-Verlag in den Goldenen Zwanzigern, das Jüdische Künstlerhaus, die Salonkultur Rahel Levin Varnhagens (im 19. Jahrhundert) als Vorlauf-Diskurs, Klezmer als wiederbelebte Tradition seit den 1980ern, das jüdische Theater zwischen Reinhardt-Ensemble und Gegenwarts-Spielstätten. Buchrezensionen einschlägiger Neuerscheinungen, Konzertberichte aus dem zeitgenössischen Klezmer-Diskurs, Ausstellungsbesprechungen aus dem Jüdischen Museum Berlin und dem Centrum Judaicum.
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Restauration
Das Ressort für die handwerklich-baufachliche Seite. Restaurierung von Stuck-Ornamenten, Mosaik-Konservierung, Steinmetz-Arbeiten an wilhelminischen Sakralbau-Fassaden, archäologische Befunde aus Sondierungsschnitten, materialkundliche Probleme der Backstein-Mauerwerks-Konservierung. Wir berichten aus Denkmalpflege-Werkstätten und über die institutionelle Architektur des Berliner Denkmalschutzes (Landesdenkmalamt, Deutsche Stiftung Denkmalschutz), behandeln die ewig umstrittene Frage von Wiederaufbau versus Konservierung des Befund-Zustands.
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Diaspora
Das Ressort für die vergleichende mitteleuropäische Perspektive. Die Wiener Synagoge in der Seitenstettengasse als kk-Hofbau-Pendant, die Altneuschul in Prag als Goldener-Standard mittelalterlicher Bautypologie, die Dohány-Tempel in Budapest als größte Synagoge Europas, die Goldene-Rose-Synagoge in Lemberg/Lviv und ihre Zerstörungs-Wiederaufbau-Diskussionen. Wir lesen Berlin im mitteleuropäischen Bezugsraum: kulturhistorische Wechselwirkungen, parallele Architektur-Sprachen, Vergleichsfragen zur Vorkriegs-Demographie und zur Nachkriegs-Erinnerungspolitik.
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